Neue Studie über die fehlenden Akademikerkinder
Rund drei Viertel der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Deutschland sind kinderlos. Warum das so ist, versucht eine Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung herauszufinden – und kommt zu wenig überraschenden Ergebnissen: Die zu geringe Planungssicherheit, die zu geringe finanzielle Sicherheit und die fehlende berufliche Etablierung sind mit Abstand die wichtigsten Gründe für Männer und Frauen in der Wissenschaft, keine Kinder zu bekommen. Für die Studie befragt wurden 8680 WissenschaftlerInnen, davon war mehr als die Hälfte über 35 Jahre alt.
In seiner Pressemeldung betont das Ministerium, dass (Zitat) »die Hochschulautonomie Motor sein [kann], um bestehende Barrieren abzubauen.« In der Broschüre zu den Ergebnissen der Studie zeigt sich jedoch ein differenzierteres Bild: Trotz der Bundesmittel, die etwa für den Bau neuer Betreuungseinrichtungen zu Verfügung stünden, müssten die Folgekosten für den Betrieb von den Hochschulen getragen werden. Und ein hochwertiges Angebot, das auch den Bedürfnissen der Eltern Rechnung trägt, ist personalintensiv und damit teuer. Der geforderte Mentalitätswechsel an den Hochschulen ist sicher wichtig, aber eben nur die halbe Miete, wenn Hochschulautonomie nicht mehr als die Freiheit ist, sich sein Geld selbst suchen zu dürfen.
Die Studie des BMBF und der CEWS kann kostenlos angefordert werden oder als PDF-Datei heruntergeladen werden.
Selbst wenn es ein Betreuungsangebot gäbe – was macht man, wenn beide Elternteile nur 2-Jahres-Verträge haben? Die daraus resultierende Unsicherheit macht sicher nicht paarungsfreudiger. Denn ein befristeter Vertrag heißt für viele auch, nach 2 Jahren die Uni zu wechseln. Von Tübingen vielleicht nach Potsdam, oder auch ins Ausland, und dann nach weiteren 2 Jahren wieder wo anders? Das ist keine solide Grundlage für eine Familie.
Promovierende haben oft nur eine halbe Stelle und arbeiten dafür dennoch ganztags. Das heißt, wenn ein Elternteil in der Wirtschaft ganztags arbeiten würde und der andere ganz traditionell Kind und Haushalt hüten würde, dann wäre die finanzielle Situation der Familie die gleiche oder sogar erheblich besser, je nach Fachrichtung.
Mit Mentalität hat das alles soweit mal noch gar nichts zu tun. Die kommt als Problem eher noch oben drauf. Muss sie aber nicht: Der Sonderforschungsbereich 833 hier in Tübingen hat zum Beispiel ein eigenes Kinderzimmer für die Kinder der MitarbeiterInnen. Mit Betreuung. Und gemeckert hat darüber noch niemand, im Gegenteil.
31. August 2010 | #