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Schulfach „Glück“

9. Januar 2014

Sendung: 13.01.2014
Wiederholung: 16.01.2014

Es gibt da seit einiger Zeit eine regelrechte Invasion der Lobbygruppen in den Alltag der Schulen – alle fordern neue Schulfächer. Ob Yoga, Feuerwehrkunde, Denkmalschutz, Drogenkunde oder Konfliktmanagement, all das, so heißt es, fehlt im Lehrplan, die Schulen, so die „Reformpädagogen“, sind einfach nicht mehr uptodate. Gut, daß inzwischen jede Menge Upgrades im Angebot sind, immer nach dem schlichten Prinzip: Was fehlt, muß Schulfach werden! Kaum ein Lobbyflüsterer, der in den letzten Jahren nicht seine Stimme für einschneidende Reformen erhoben.

Selbst die Bundeswehr will zeigen, wie „schön bund“, bund natürlich mit „d“ und wie trendy ihre Einsätze sind, ….was in aufgeklärten Schulen nicht immer auf Gegenliebe stößt. Macht aber nichts, es sind ja genügend andere „Reformer“ da. Auch solche, die mit dem neuen Schulfach – hört-hört- „Glück“ unterwegs sind. Die ersten Forschungsergebnisse zum Erfolg dieses Faches hat Alex Bertrams vorgelegt – Zitat Pressererklärung:

Universität Mannheim. Die ersten Forschungsergebnisse von Alex Bertrams belegen: Das Schulfach „Glück“ hat einen positiven Effekt auf das subjektive Wohlbefinden der Schüler. Der Juniorprofessor hält das Fach prinzipiell für sinnvoll – Zitat: „Im Endeffekt geht es beim Schulfach Glück ja darum, dass Schüler lernen, sich mit ihrer emotionalen Seite auseinanderzusetzen und in gewisser Weise Lebenskompetenz zu erwerben. Das halte ich für genauso wichtig wie Mathematik.“

Recht hat er. Meint Ernst Fritz-Schubert. Der ehemalige Schulleiter aus Heidelberg hat als Pionier mit seinem Engagement für das „Schulfach: Glück“ einen regelrechten Boom ausgelöst. Eltern interessieren sich heftig, Lehrer nehmen in großer Zahl an den Fortbildungen seines Instituts teil und immer mehr Schulen im Südwesten und Westen Deutschlands, aber gerade auch in Österreich haben das Schulfach „Glück“ im Angebot. Alle machen die gleiche theoretische Ansage: „Ziel ist es, in der Schule einen festen Bereich für Persönlichkeitsentwicklung, Selbstwirksamkeit und kreatives Schaffen zu verankern, einen Bereich, der neben dem kognitiven Lernen die körperliche, die emotionale und die soziale Entwicklung des Kindes im Fokus hat.“ Dann wollen wir mal hören. Detlef Berentzen hat das Glück gehabt, Ernst Fritz-Schubert zu treffen. Und er hatte sein Mikrofon dabei.

 

Sendung vom 21.11.2011

22. November 2011

live: 21.11.2011
Wdh.: 28.11.2011

Vertuschen, mauern, Sperrvermerk: Keine Aufklärung zur Spitzelaffäre in Heidelberg
Ende 2011 wurde in Heidelberg der verdeckte Ermittler „Simon Brenner“ enttarnt. Er hatte sich in linke Kreise eingeschlichen und sollte Studierende und Antifaschisten aushorchen und überwachen. Dabei beteiligte er sich auch an der Planung von Aktionen wie etwa der Südblockade des Castor-Transports im pfälzischen Berg, bei denen er dann auch selbst mit dabei war. Doch Simon Brenner flog auf und ist seitdem verschwunden. In Heidelberg verlangen die Betroffenen der Überwachung nun Aufklärung und Konsequenzen aus der Spitzelaffäre. Doch die beteiligten Behörden mauern wo sie nur können. Mittlerweile haben einige Betroffene der Überwachung Klage eingereicht. Der „Arbeitskreis Spitzelklage“ unterstützt und begleitet diese Klage. Unsere Kollegin Heike Demmel vom freien Radio Z aus Nürnberg sprach mit Thimo und Dandl vom Arbeitskreis Spitzelklage über ihre Forderungen und die neuesten Entwicklungen.
 

Lernen Lernen auf Chongqing Art
Ein 30-minütiges Feature der Reihe „China? Hingehört!“ von Radio Dreyeckland und dem informationszentrum 3. Welt.

Kann man in China das Lernen lernen?
Oder ist die chinesische Bildung jene Art Bildung, die wir vermeiden sollen? Utopie oder Anti-Utopie?
 

Veranstaltungshinweis:
Am Donnerstag, dem 24. November könnt Ihr im Kupferbau eine Dokumentation über die Zeltstadt im Stuttgarter Schloßpark sehen. Um das Bauprojekt Stuttgart 21 aufzuhalten, kampieren dort schon seit September 2010 die sogenannten Parkschützer. Wenn Menschen so lange auf engem Raum zusammenwohnen, dann ist das Zusammenleben das dabei entsteht nicht nur für Soziologen und Kulturwissenschaftler interessant. Auch der Filmemacher Felix Schwarz hat sich für die Menschen im Schloßpark interessiert und eine Dokumentation über sie gedreht. Den Film „Unser Park“, der dabei entstanden ist, kann man jetzt am Donnerstag im Hörsaal 24 im Tübinger Kupferbau sehen. Im Anschluß an den Film, der nur 45 Minuten dauert, kann man Fragen an den Regisseur Felix Schwarz stellen und mit ihm diskutieren, denn er wird auch im Hörsaal 24 sein.

„Unser Park“ wird am Donnerstag, dem 24. November um 19 Uhr im Hörsaal 24 im Tübinger Kupferbau gezeigt. Veranstalter ist die [’sol]id.SDS Hochschulgruppe.

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Sendung vom 10.10.2011

10. Oktober 2011

live: 10.10.2011
Wdh.: 17.10.2011

Bundeswehr an Schulen
Nicht nur in Baden-Württemberg ist es zur Normalität geworden, dass Jugendoffiziere der Bundeswehr an Schulen eingeladen werden um so gezielt um Nachwuchs für die Truppe zu werben.

Jugendoffiziere der Bundeswehr vertreten natürlich eine andere Position zum Thema Friedenspolitik als beispielsweise liberale Politikwissenschaftler oder gar eine Friedensinitiative. Wenn also schon Vertreter der Bundeswehr gewissermaßen als Gast-Lehrer an Schulen den Unterricht mitgestalten dürfen, dann würde man erwarten, dass die Schulen als Kontrast-Programm auch noch andere Gruppen dort zu Wort kommen lassen. Doch das passiert höchstens in Einzelfällen auf die private Initiative einzelner Lehrer hin.

Auch in Sachsen-Anhalt ist die Bundeswehr oft an den Schulen zu Gast um ihre Sicht auf Krieg und Frieden zu bewerben. Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag von Sachsen-Anhalt hat sich jetzt deswegen mit einer kleinen Anfrage an die schwarz-rote Landesregierung dort gewandt. Unsere Kollegin vom freien Radio Corax aus Halle hat mit Dr. Claudia Dahlbert telephoniert und sie gefragt: Was wollten Sie mit Ihrer kleinen Anfrage herausfinden?
 

Alternativer Dies im Clubhaus
Wenn Ihr unsere Live-Sendung am 10. Oktober hört, dann ist heute offiziell der erste Tag des Wintersemesters. Auch wenn die meisten geisteswissenschaflichen Studiengänge erst in einer Woche, so ab dem 17. Oktober richtig losgehen, gibt es doch ein regelmäßiges Event, das schon in der ersten offiziellen Uni-Woche stattfindet. Es ist der Alternative Dies, kurz: AlDi, immer am ersten Donnerstag des Wintersemesters im Clubhaus. Dort können sich die verschiedenen Gruppen an der Uni den neuen Erstsemestern vorstellen um neue Aktive zu gewinnen.
Ich war heute morgen im Clubhaus und hab mich dort mit Timo von der Fachschaften-Vollversammlung unterhalten. Timo hat sich dieses Jahr ein bißchen um die Organisation des AlDi gekümmert und konnte mir sagen, was uns am kommenden Donnerstag erwartet, also am 13. Oktober.
Seit Sonntag hängt übrigens vorne am Clubhaus ein großes Transparent um nochmal Werbung für den Alternativen Dies zu machen.
 

Methodos – Selbstbestimmt zum Abitur
Methodos ist eine Gruppe die sich aus Schülerinnen und Schülern zusammensetzt, die sich selbstständig auf die externe Abiturprüfung in Baden-Württemberg vorbereiten. Ein wirklich spannendes Interview, das die zukünftigen Abiturienten und -innen im Spannungsgfeld zwischen der Privatisierung von Bildung im Dienste der Elitenförderung zeigt und dem Anspruch, sich auch außerhalb der engen Schranken des staatlichen Systems bilden zu dürfen. Carla, Florian und Theresia waren für das Methodos-Projekt zu Gast bei miro im Morgenradio von Radio Dreyeckland, wo FDP-liberales Neusprech auf progressive Skepsis trifft.
 

Gleiche Rechte für alle: Auch Jugendliche mit Behinderung sollen eine Ausbildung machen können
Eine Ausbildung sollen alle machen können, auch Jugendliche mit einer Behinderung. Das fordern Schweizer Behindertenorganisationen mit ihrer Petition „Berufsbildung für alle“.
Die Behindertenorganisationen kritisieren darin die Sparübungen des Bundesrates. Denn seit einem Jahr wird die Berufsbildung für Jugendliche mit Behinderung Schritt für Schritt weiter eingeschränkt. Wilma Rall vom schweizer Freien Radio RaBe aus Bern berichtet.
 

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Sendung vom 29.08.

29. August 2011

Live: 29.08.2011
Wdh.: 05.09.2011

Interview mit Iga Mazak von der AG „Doku“ der Wiener Audimax BesetzerInnen
Vor fast genau zwei Jahren, im Oktober 2009, besetzten Studierende das Audimax der Uni Wien um damit gegen die von ihnen kritisierten Studienbedingungen, sowie für eine freie Bildung zu protestieren. Diese erste Besetzung war sowas wie der Startschuss zur sogenannten „uni brennt“-Bewegung, denn kurz darauf besetzten Studierende in ganz Österreich ihre Hörsäle. Als dann auch in Deutschland die ersten Hörsäle besetzt wurden, wollten die Tübinger Aktiven von der Fachschaften-Vollversammlung nicht länger warten und riefen die Studierenden am 5.November 2009 zu einer Vollversammlung in den Kupferbau. Daraus wurde eine Besetzung, die zumindest bis Weihnachten anhalten sollte. Aus Solidarität mit Wien und aus Protest gegen Studiengebühren und Zugangsbeschränkungen in Baden-Württemberg.

Wie in Tübingen, so gab es auch bei der Wiener Besetzung verschiedene Arbeitskreise. Ein solcher Arbeitskreis hat sich in Wien um die Dokumentation des Protests gekümmert und heraus gekommen ist ein Film, den man am Freitag diese Woche (2. September 2011 um 20:30 Uhr) in Tübingen in der Shedhalle sehen kann. „imagin‘ audimax“ heißt die Dokumentation in der die Aktiven der Besetzung zu Wort kommen.

Am Telephon habe ich mit Iga Mazak gesprochen, die den Film zusammen mit weiteren Aktiven produziert hat.
 

Freitag, 2. September 20:30 Uhr: Filmvorführung „imagin‘ audimax“ bei der Sommerakademie der plattform „no budget“ in der Shedhalle. Im Anschluß an den Film diskutieren die Filmemacher mit Aktiven des Tübinger Bildungsstreiks und dem Publikum.

Der Schulweg als Lernfeld: Kinder sollen zu Fuß zur Schule gehen
„Kinder geht zu Fuß zur Schule!“ Das ist der Appell der Schweizer Aktionswoche „Walk to School“.
Immer mehr Eltern fahren ihre Kinder mit dem Auto zur Schule – Tendenz steigend. Rund 10 Prozent aller Schulwege werden mit dem Auto zurückgelegt, in einkommensstarken Gemeinden sollen es sogar doppelt soviel sein. Grund genug für den Verkehrsclub der Schweiz um zusammen mit Kantonen und Gemeinden die Eltern zum Umdenken zu motivieren. Sie sollen ihre Kinder nicht mehr mit dem Auto zur Schule fahren. Mehr dazu weiß Cheyenne Mackay vom freien Radio RaBe aus Bern:
 

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Bildungsstreik protestiert am 25.1.

24. Januar 2011
Plakat Bildungsstreik BaWü für die Januar-Demos im ganzen Land

Demo am 25.1. auf dem Holzmarkt

Am Dienstag, dem 25. Januar 2011 wird der Tübinger Bildungsstreik den Holzmarkt ab 19 Uhr für kurze Zeit in ein Freilicht-Kino verwandeln. Gezeigt werden Kurzfilme, die bei den weltweiten Bildungsprotesten
entstanden sind.

Ab 19 Uhr wird es zur Begrüßung kurze Redebeiträge unter anderem von Aktiven des Bildungsstreiks sowie von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) geben. Im Anschluß daran werden auf einer Leinwand bei der Stiftskirche verschiedene Kurzfilme von den weltweiten Bildungsprotesten der letzten Jahre gezeigt.

Die Aktion steht im Zusammenhang mit landesweiten Kundgebungen, bei denen das „Feuer des Protests nach Stuttgart“ getragen werden soll. Es wird nicht allerdings nur symbolhaft, sondern auch ganz real in Form zwei Feuertonnen auf dem Holzmarkt die Zuschauer vor der Kälte schützen. Der Bildungsstreik empfiehlt trotzdem warme Kleidung.

Thematischer Schwerpunkt der Kundgebung wird die Auseinandersetzung mit Repression und Polizeigewalt sein, wie sie die SchülerInnen am 30. September vergangenen Jahres im Suttgarter Schloßpark erleben mußten. Die landesweite „Protestfeuer“-Kampagne wird auf der Website des baden-württembergischen Bildungsstreiks unter bildungsstreik-bawue.de dokumentiert. Weitere Informationen zum Tübinger Bildungsstreik finden sich auf tuewas.org.

Sendung vom 13.9.2010 – Thema Frankreich

21. September 2010

In Frankreich wird – genau wie hier – seit Jahren am Schulsystem herumreformiert. Seit Jahren jagen Reformen und Reförmchen einander, und immer wieder gibt es zwischendurch eine große Vision, wie alles komplett zu verändern sei. Der Höhepunkt bildete der Philosoph Luc Ferry, der seine Vision 2004 als Buch veröffentlichte und es auf Staatskosten allen Lehrer schicken ließ. »An alle, die die Schule lieben« hieß das Werk. (PDF) Die Lehrerschaft war nicht angetan: Sie warfen es mit Rotstift korrigiert vor die Regierungspräsidien, bauten Mauern daraus und hatten vor, die Seiten einzeln an den Staatspräsidenten zu schicken: In Frankreich ist das kostenlos. Doch dazu kam es nicht, Ferry wurde abgelöst. Der nächste große Visionär war Xavier Darcos, der schon an Luc Ferrys Werk mitgeschrieben hatte. Durch Bronze- Silber- und Goldmedaillen für das Bac und seiner Reform der Lycées wurde er schnell zur Hassfigur aller Betroffenen. Nach anhaltenden Protesten wurde er durch den ehemaligen Regierungssprecher und Industrieminister Luc-Marie Chatel ersetzt. Chatel ist – wie sein Präsident, Nicolas Sarkozy – ein strammer Konservativer mit altmodischen Vorstellungen von Respekt und Disziplin und wurde ausgewählt, weil er keine Vision hatte, dafür eine stark gefärbte rosarote Brille.
»Nennen Sie mir eine Rentrée, bei der die Gewerkschaften sagen, dass alles in Ordnung ist«, konterte er seine Kritiker in einer 40minütigen Rede zur Rentrée am 31.8.2010, ohne auch nur ein einziges mal die Streichungen von 16.000 Stellen zu erwähnen.

In dieser Sendung haben wir versucht, einige aktuelle Veränderungen darstellen, und zwar mit folgenden Beiträgen:

Frankreich: Neue Schülbücher

21. September 2010

Viel zu spät kam es dem französischen Bildungsminister Luc Chatel in den Sinn, dass für das Schuljahr 2010/11 neue Bücher gebraucht werden – und zwar für alle Fächer außer Französisch, Éducation civique et juridique und Sport. Hintergrund ist die Reform der Lycées, die eigentlich schon im Jahr 2009 durchgeführt werden sollte, aber aufgrund massiver Proteste an den Schulen zunächst ausgesetzt wurde. Anfang 2010 entschied nun das Ministerium, die Veränderungen umzusetzen – und zwar sofort. Geändert wurden unter anderem die Lehrpläne, in denen zum Beispiel das Thema »Nachhaltige Entwicklung« stärker hervorgehoben werden soll. Ob die hastig zusammengezimmerte und von der Lehrergewerkschaft als »Bastelei« verspottete Reform selbst nachhaltig sein wird, darf bezweifelt werden. Üblicherweise bekommen nämlich die Schulbuchverlage die Lehrpläne ein Jahr vorher und erstellen auf dieser Grundlage ihre Lehrbücher. Üblicherweise sind von den Änderungen auch nur wenige Fächer betroffen.

Diesmal allerdings wurden die neuen Lehrpläne gerade einmal vier Monate vor der Rentrée bekanntgegeben. Und diesmal sind es umgekehrt nur zwei Fächer, die kein neues Buch brauchen. Die Konsequenz: Es gibt jetzt zum Beginn des Schuljahres nicht genügend Bücher. Erst Mitte Oktober sollen alle Schulen versorgt sein. Kein Problem, erklärt Bildungsminister Chatel: Schon zur Rentrée sollen alle Schulen die notwendigen pädagogischen Mittel zur Verfügung haben.

Ils auront bien à leur disposition toutes les ressources pédagogiques nécessaires pour la rentrée …

Wie das gehen soll? Ein Buch gibt es nicht nur in der Papierform, doziert der Minister, sondern auch in digitaler Form, und das sei umso besser:

… il [le livre] existe de plus de en plus, et c’est tant mieux, sous forme numérique …

Und die Verlage haben ihm zugesichert, den Schulen diese Version zur Verfügung zu stellen: Die Polemik sei deshalb unangemessen.

… cette polémique n’a pas lieu d’être.

Wenn dann alle Bücher bei den Schülerinnen und Schülern angekommen sein werden, wird jeder von ihnen durchschnittlich 220€ dafür ausgeben müssen – wenigstens übernehmen einige Régions die Kosten und ärmere Familien werden bezuschusst. Hoffen wir einfach, dass der nächste Bildungsminister nicht wieder alles anders machen will.

Neue Schulbücher kommen zu spät
 

Weitere Informationen bei Libération

Frankreich: Themenwechsel im Geschichtsunterricht

21. September 2010

In Zeiten der Globalisierung kann der Geschichtsunterricht nicht mehr nur aus französischer Geschichte bestehen, meint das Bildungsministerium. Und im kombinierten Fach Geschichte, Geographie und Gemeinschaftskunde ist eine Reform sowieso nötig. Der Lehrplan sieht nun also vor, ein afrikanisches Großkönigreich zu behandeln – endlich mal eine sinnvolle Reform!

Doch wer an einer Stelle erweitert, muss an anderer Stelle kürzen, und hier hagelt es Kritik: Denn ausgerechnet die 72-jährige Regentschaft von Ludwig XIV soll in Zukunft nur noch kurz, am Ende der 7. Klasse, als Teil des Kapitels »Absolute Monarchie« behandelt werden. Und Napoléon wird auf seine Zeit als Prokonsul reduziert, weil dort der Code Napoléon entstand, der auch heute noch die Basis des Bürgerlichen Gesetzbuchs der Republik darstellt. Weder sein Aufstieg aus den Wirren der Revolution wird behandelt, noch die napoleonischen Kriege, die immerhin ganz Europa betrafen und unter anderem mit zur Gründung des deutschen Reiches führten. Entweder kann also in Zeiten der Globalisierung auf die Behandlung weltgeschichtlicher Ereignisse verzichtet werden – wenn sie aus französischer Geschichte bestehen. Oder eine solche Änderung ist, sagen wir mal, ein wenig unbedacht. Und um es mit François Mitterrand zu sagen: »Ein Volk, das seine Geschichte nicht lehrt, ist ein Volk, das seine Identität verliert.«

Weitere Informationen:

Themenwechsel im Geschichtsunterricht
 

Frankreich: Schulreform durch die Hintertür?

21. September 2010

Die französichen Schulen, an denen die Schüler im Durchschnitt besonders schlect abschneiden, werden als Zone d’éducation prioritaire bezeichnet, kurz ZEP. Die Schulen der ZEP haben unter anderem mehr Mittel zur Verfügung und können bestimmte Entscheidungen selbständiger treffen als »normale« Schulen.

Von diesen landesweit 8836 Schulen in der ZEP sind zur diesjährigen Rentrée 105 in sogenannte Clair umgewandelt werden, das steht für Collèges et lycées pour l’innovation, l’ambition et la réussite: Collèges und Lycées für Neuerung, Ehrgeiz und Erfolg.

Das Clair-Programm beinhaltet einige eher vage Vorschläge (mehr Sport, mehr Berufsorientierung soll ermöglicht werden) und mehr Kontrolle: Ein Préfet d’études kontrolliert, dass die Schüler in den Arbeitsräumen auch wirklich arbeiten).

Der zentrale Punkt des Clair-Programms weist dem Schulleiter mehr Rechte zu: Vor allem kann er allein alle Mitarbeiter der Schule aussuchen – auch wenn die nächsthöhere Verwaltungsebene seinem Vorschlag zustimmen muss.

Die Möglichkeit, Lehrkräfte auszusuchen, greift eines der zentralen Probleme der ZEP-Schulen an. Die Pädagogen können nämlich im Laufe ihrer Dienstzeit Punkte ansammeln und damit zum Beispiel eine Versetzung beantragen. Das hat zur Folge, dass an den schwierigeren Schulen besonders viele Plätze frei werden, und diese Plätze werden heute mit Junglehrern besetzt, die frisch von der Uni kommen, keine Punkte haben und sich ihre Schule nicht aussuchen können. Diese Lehrer kommen also nicht nur an eine schwierigere Schule, sie haben auch noch nicht die Erfahrung, um diesen Schwierigkeiten zu begegnen – und lassen sich meist versetzen, so schnell sie können.

An den 105 Clair-Schulen sollen ab 2011 mit einer besseren Bezahlung auch erfahrenere Pädagogen zu einer Bewerbung motiviert werden. Ob aber mehr weiße, heterosexuelle Männer als Lehrer wirklich das sind, was die Kinder in Problemschulen brauchen? Denn bekanntlich werden in Auswahlgesprächen Menschen bevorzugt, die dem Auswählenden in Klasse, Rasse und Habitus ähneln.

Zusätzlich vermutet die Lehrergewerkschaft Snes-FSU, dass klammheimlich eine Reform der ganzen ZEP durchgeführt werden soll, dass alle Schulen der ZEP in Clair umgewandelt werden sollen und somit die direkt vom Ministerium ernannten und zur Loyalität verpflichteten Schulleiter alle Personalentscheidungen treffen können. Die Vorgehensweise der Regierung sei »sombre et pesant« – das Gegenteil von claire, was übersetzt deutlich, hell und klar bedeutet.

Schulreform durch die Hintertür?
 

Frankreich: Reform der Unterichtszeiten

21. September 2010

Die Schulzeiten sind in Frankreich etwas anders geregelt als in Deutschland: Es gibt dort ausschließlich Ganztagsschulen, nur am Wochenende und am Mittwoch Nachmittag ist frei. Bis 2008 gab es an Grundschulen auch Samstagsunterricht, der allerdings von den Schulen selbst geregelt werden konnte. Mit der Abschaffung des Samstagsunterrichts sind manche Städte dann sogar zur Vier-Tage-Woche übergegangen: Der Mittwoch ist dort schulfrei geblieben. Die Schulzeiten pro Tag haben sich dadurch allerdings wieder verlängert, was unter anderem der Aufnahmekapazität der Kinder nicht unbedingt zuträglich ist. Seit 2009 hat sich für einige Schülerinnnen und Schüler die Schulzeit noch weiter verlängert: Wer schlechte Noten hat, muss täglich eine halbe Stunde nachsitzen und die Hausaufgaben an der Schule machen.

Französische Wissenschaftler wissen allerdings schon länger, dass ein solcher Rhythmus der Chronobiologie der Grundschulkinder nicht angemessen sei, was – zwei Jahre nach der Reform – auch die Regierung und Bildungsminister Chatel mitbekommen haben. Für nächstes Jahr wurde nun eine Debatte über kindgerechte Schulzeiten angekündigt, die die Änderungen gleich wieder rückgängig machen soll – von vorausschauender Schulpolitik zwar keine Spur, aber immerhin sinnvoll. Betroffen von dieser Reform der Schulzeiten sind hauptsächlich die Écoles Primaires, die Grundschulen.

Ebenfalls bei dieser Debatte Mitte Mai soll die Reform der Ferien vorgestellt werden. In der fünften Republik dauern die Sommerferien jedes Jahr den kompletten Juli und August. Das Ferienende, das in ganz Frankreich gleichzeitig stattfindet, hat sogar einen eigenen Namen: Rentrée. Und die Planung dieser Änderungen, die auch Lycées und Collèges betrifft, ist schon jetzt sehr konkret. Die Sommerferien sollen gekürzt und auf kleinere Ferienblöcke im Jahr verteilt werden; angestrebt wird ein 10-wöchiger Rhythmus mit je acht Wochen Schule und zwei Wochen Ferien. Das aber stößt bei den Franzosen auf Widerstand, nicht nur weil ihnen die Rentrée heilig ist: In Südfrankreich ist es im Juli und August einfach zu heiß.

Reform der Schulzeiten
 

Weitere Informationen:

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